Startseite | Impressum
Laborvorstellung

02/05/15

Durch die Klippen steuern und forschen: Synergien am Labor für künstliche Bewitterung und Alterung der Hochschule Merseburg

Dr. Marcus Schoßig erklärt technische Ausstattung und Möglichkeiten des Labors für künstliche Bewitterung an der Hochschule Merseburg.

Ein Student sucht einen industriellen Partner für seine Bachelor-Arbeit. Er findet den Partner in der gerade boomenden Solarbranche. Der Student möchte angewandt forschen, die Firma möchte wissen, wie witterungsbeständig ihre flexiblen Solarmodule sind. Das ist eine klassische Win-Win-Situation, wäre dann nicht die Krise in der Solarindustrie gekommen. Denn nun hat die Firma ganz andere, existenzielle Sorgen und der Student steht auf der Straße.

Dr. Marcus Schoßig erzählt diese Geschichte als positives Beispiel aus dem Forschungslabor für künstliche Bewitterung und Alterung an der Hochschule Merseburg. „Wir planen und realisieren Forschung, schreiben Förderanträge, aber wenn die Industriepartner in eine wirtschaftliche Notlage geraten, dann wird es auch für uns schwierig.“ Schoßig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Merseburg. Im Falle des Studenten übernahm die Polymer Service GmbH Merseburg An-Institut der HS den Arbeitsvertrag und damit die Industriebetreuung im Rahmen des dualen Bachelorstudienganges „Wirtschaftsingenieurwesen“. Die Bachelor-Arbeit brachte wichtige Ergebnisse zur Witterungsbeständigkeit von flexiblen Solarmodulen. Deshalb wurde sie 2012 sogar mit dem Prof. Martin-May-Preis der Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovation (kurz AMK) ausgezeichnet.

Dienstleistung und Forschung

Die Polymer Service GmbH Merseburg ist ein An-Institut der Hochschule Merseburg. Sie ist beteiligt am Innovationslabor für künstliche Bewitterung und Alterung von Kunststoffen, das ab 2009 mit europäischen und KAT-Mitteln für Personal und Großgeräte aufgebaut wurde. Das Labor wird von Frau Prof. Dr. Beate Langer geleitet, die an der Hochschule Merseburg die Professur für Kunststofftechnik und Polymerwerkstoffe innehat. Es ist eine Forschungseinrichtung innerhalb des Kunststoff-Kompetenzzentrums (KKZ) Halle-Merseburg und bietet Forschungs- und Projektleistungen insbesondere für regionale Firmen an.

Gemeinsam arbeiten das Labor für künstliche Bewitterung  und die Polymer Service GmbH Merseburg an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis.

Veränderungen vorhersagen können

Die Synergien zwischen den Forschungseinrichtungen zeigen sich auch im aktuellen Forschungsprojekt. Zurzeit arbeitet Dr. Schoßig an einer wirtschaftlichen Methode zur Bewertung der Alterung von Kunststoffen. Diese künstliche Alterung kann im Bewitterungslabor unter vielfältige Bedingungen erzeugt werden.

Dabei geht es um die Frage, wie die künstlich gealterten Kunststoffe auf ihre mechanischen Eigenschaften überprüft und daraus Voraussagen für ihre Lebensdauer und Beständigkeit getroffen werden können.

Neben Industrieforschung, Dienstleistung und Forschungskooperation beobachten die Wissenschaftler auch die wirtschaftliche Entwicklung. In einem zukünftigen Projekt widmet sich Prof. Langer der Bewitterung von Bio-Polymeren, die biobasiert sind und als biologisch abbaubar gelten. „Auf diesem Gebiet wird mit hohen Zuwachszahlen gerechnet, deshalb ist auch der Forschungsbedarf recht groß“, schätzt die Wissenschaftlerin ein. Hier sollen die Veränderungen der physikalischen Eigenschaften der Werkstoffe beobachtet werden.


KATalysiert

Das Innovationslabor wurde zwischen 2009 und 2013 mit KAT-Mitteln aufgebaut, um bestehende experimentelle Ausstattungen zu erweitern und zu modernisieren.

Es ist Bestandteil des Kunststoff-Kompetenzzentrums Halle-Merseburg.