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Best Practice Wissenstransfer

04/08/15

Neue Online-Plattform für ausländische Fachkräfte: Software der Hochschule Harz und regionaler Unternehmen berücksichtigt auch kulturelle Unterschiede

Fachkräfte aus dem Ausland sind auch für viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus Sachsen-Anhalt derzeit die große Hoffnung, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Doch die Hürden sind hoch: Wie findet man den richtigen Mitarbeiter? Sind die Erwartungen die gleichen? Werden sich beide Seiten verstehen? Hilfe verspricht jetzt eine neue Online-Plattform, die ein interdisziplinäres Projektteam der Hochschule Harz gemeinsam mit Unternehmen aus der Region entwickelt hat. Das ausgeklügelte System übernimmt einen Teil der Personalarbeit, für die vor allem KMU oft keine Kapazitäten haben.

So sollen sich ausländische Fachkräfte auf „Recruit Future Professionals“ präsentieren. Ein Prototyp der Online-Plattform wird derzeit getestet.
Mehr als eine Jobbörse im Internet

„Das Problem sind meistens die sprachlichen Kenntnisse“, sagt Jens Lücke, dessen Firma Lücke Team GmbH das Projekt von Beginn begleitet hat. Er berät viele KMU und hat schon so einige scheitern sehen bei dem Versuch, ausländische Fachkräfte einzustellen. Auch die elektronische Form der Rekrutierung steht vor dieser Problematik: „Deshalb fragt die Software beispielsweise sehr genau ab, ob perfekte, mittelmäßige oder keine sprachlichen Kenntnisse vorliegen“, erläutert der Medieninformatiker Prof. Daniel Ackermann. Für die Verlässlichkeit der Daten bürgt eine Vermittlungsstelle, welche die Bewerberprofile eingibt. Um auch den datenschutzrechtlichen Vorgaben gerecht werden, stand den Entwicklern Rechtsprofessor André Niedostadek vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz zur Seite.

Im Fokus: MINT-Fächer

Zur Präzision der Plattform gehört auch die Erfassung der fachlichen Fähigkeiten. „Wir haben die MINT-Fächer, wo derzeit der größte Bedarf herrscht, in ihrer ganzen Breite per Filter aufbereitet“, sagt Tobias Skaloud von der Hochschule Harz, der das Projekt koordiniert hat. Allein für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik weist die Agentur für Arbeit derzeit mehr als 300 Berufe aus. „Der Clou sind aber eigentlich die Handlungsempfehlungen, die das Software-Tool automatisch generiert und eine kulturspezifische Ansprache der Bewerber ermöglichen“, berichtet Skaloud weiter.

Handlungsempfehlungen zu kulturellen Erwartungen

Hat sich ein Unternehmen für einen Bewerber aufgrund seiner Fähigkeiten entschieden, erhält es auf Knopfdruck Informationen über dessen kulturelle Hintergründe und Tipps, wie es sich darauf einstellen sollte. „Kulturelle Unterschiede sind ein weiterer wichtiger Grund, warum Arbeitsverhältnisse scheitern können“, erklärt Jens Cordes, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Hochschule Harz, die Bedeutung dieser Dimension. Welche Erwartungen hat der Bewerber? Arbeitet er lieber individuell oder in der Gruppe?  Ist eine familiäre Atmosphäre wichtig? Mit Handlungsempfehlungen für diese Fragen können die Unternehmen viel besser einschätzen, was sie investieren müssen und wie wahrscheinlich ein Matching ist – wie Personaler das Zustandekommen eines Arbeitsverhältnisses nennen.

Wissenschaftlich fundiert – durch die Praxis geprüft

Tobias Skaloud und Jens Lücke sprechen im Hinblick auf den nun vorliegenden Prototyp der Online-Plattform von einem intensiven Arbeitsprozess. Das klingt anstrengend und nach Reibungen. „Tatsächlich war es nicht ganz einfach, unsere wissenschaftliche Positionen immer wieder einer praktischen Prüfung zu unterziehen“, erzählt Tobias Skaloud. Allerdings seien die vielen Gespräche mit Personalverantwortlichen und interkulturellen Workshops mit den Unternehmen der einzige Weg gewesen, ein so wohldurchdachtes Produkt auf den Weg zu bringen.

Der Wert dieser intensiven Arbeit  drückt sich auch in den Zukunftsperspektiven aus: Um die Online-Plattform marktfähig zu machen, sind weitere Förderanträge gestellt worden. Fünf Unternehmen sind bereits auf der Plattform vertreten und haben ihr Interesse an der Weiterentwicklung bekundet – mit oder ohne Förderung.  Damit sind die Akteure ihrem ursprünglichen, großen Ziel – nämlich einen Beitrag zur Reduzierung des regionalen Fachkräftemangels insbesondere im MINT-Bereich zu leisten – einen großen Schritt näher gekommen.


KATalysiert

Dieses Projekt wurde im Rahmen eines KAT-Transfer-Projekts realisiert, insbesondere über die Finanzierung der Projektstellen. Das Application Lab der Hochschule Harz half bei der Erstellung von Folgeanträgen zur weiteren Projektförderung.