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Interview

04/08/15

Frühe Annäherung: Projekt zu Solar-Fotografie holt Vorschulkinder auf den Campus Merseburg

Die Solar-Krümel suchen nach Material für ihre eigene Fotografie.
Bilder (2): Thomas Tiltmann

Um Kinder schon früh an die vom Fachkräftemangel am stärksten betroffenen MINT-Fächer heranzuführen, engagiert sich die Hochschule Merseburg mit verschiedensten Programmen und Projekten. Zu den festen Terminen gehören zum Beispiel das Schülerlabor „Chemie zum Anfassen“, die Juniorvorlesungen „BeAnIng“ und der Technikwettbewerb First® Lego® League.

Im Februar dieses Jahres waren 24 Kinder aus einer Merseburger Vorschulgruppe auf dem Campus bei dem Leiter der Fotowerkstatt, Thomas Tiltmann,  zu Gast. Bei den Experimenten mit Wasser, Licht und Solar-Papier lernten beide Seiten voneinander.

Herr Tiltmann, Sie arbeiten meistens mit Studenten. Wie war es, mit Kindern zusammenzuarbeiten?

Die Anregung kam von meiner Hochschulkollegin Dr. Annette Henn. Es gab bereits schon gute Erfahrungen mit solchen Projekten in der Fotowerkstatt, auf die wir aufbauen konnten. Kinder sind ein spannendes Klientel. Sie nähern sich den fotografischen Verfahren und dem Material unbefangener als ein Erwachsener. Diese positiven Erfahrungen haben auch Auswirkungen auf meine weitere Zusammenarbeit mit den Studierenden.

Welche sind das zum Beispiel?

Um 5- bis 6-Jährigen das Prinzip der Fotogramme und die dahinterstehenden chemischen Prozesse zu vermitteln, musste ich meine Erklärungen anpassen. Zugleich war es wichtig, dass die Kinder an diesem Projekt mit Spaß arbeiten konnten. Kinder stellen Fragen, die sich ein Erwachsener vielleicht nicht traut zu stellen, die aber trotzdem ihre Berechtigung haben. Das war für mich eine große Inspiration im Hinblick auf meine Lehre an der Hochschule.

Solar-Krümel beim Bemalen seiner Solar-Fotografie.
Mit welcher Strategie haben Sie sich dem Thema genähert?

Die Kinder sollten zunächst Material sammeln – etwas, das sie später gern für die Fotogramme nutzen würden. Dabei kamen ganz unterschiedliche Dinge zusammen, wie Steine, Äste, Lego- oder Playmobil-Figuren, die dann jedes Kind hier bei uns an der Hochschule auf Solar-Papier belichten konnte.

Und dann waren sie die Solar-Krümel?

Noch nicht ganz. Wir wollten, dass die Kinder die Fotogramme in einem nachträglichen kreativen Prozess gestalten. Wie würdest Du das, was Du als Schattenbild auf dem Solarpapier siehst, ausmalen, weitermalen, verändern? Damit haben sich die Kinder quasi in einem dritten Schritt beschäftigt. Das war das eigentlich Neue an diesem Projekt mit Solar-Papier. Wir wollten den chemischen Prozess nicht einfach nur hinnehmen, sondern dieses Ergebnis weiter gestalten.

Mit welchem Ergebnis?

Erwartungsgemäß brachte die Arbeit mit Licht und Wasser viel Spaß. Interessant war, dass die Krümel dann doch eher Hemmungen hatten, die Fotogramme mit weiteren Motiven zu gestalten. Sie haben sich ihren Werken sehr vorsichtig genähert und die Schattenbilder ausgemalt.

Welche Erkenntnisse haben Sie in Bezug auf die Solar-Fotografie gewonnen?

In der Anwendung des Solar-Papiers zeigte sich, dass die Angaben der Hersteller in der praktischen Anwendung nicht immer realistisch waren. So funktioniert die Belichtung zum Beispiel keineswegs in Innenräumen mit Energiesparlampen oder Halogen-Licht. Man benötigt tatsächlich UV-Licht.

Hand aufs Herz: Wie viele der Kinder entscheiden sich für den Beruf des Fotografen und wie viele für ein Studium an der Hochschule Merseburg?

Das sagen zu können, wäre natürlich ein fantastisches Ergebnis. Aber abgesehen davon, dass sowohl Kinder als auch Erzieher eine Weiterführung der Zusammenarbeit anvisieren, sagten immerhin drei von sich aus, dass sie in jedem Fall wieder auf den Campus kommen wollen und ein Kind äußerte tatsächlich den Wunsch Fotograf zu werden.


Hintergrund

Hochschulen haben ihre Campi in den vergangenen Jahren verstärkt geöffnet. Besonderes Augenmerk gilt in Zeiten des demografischen Wandels dem Nachwuchs. Aber auch Weiterbildungen für verschiedenste Alters- und Interessengruppen sind fester Bestandteil der Hochschullandschaft geworden.

Die Hochschule Merseburg baut dabei auf drei Säulen: die frühkindliche Entwicklung fördern, Toleranzentwicklung und Diversity für einen attraktiven Standort sowie das Alter wertschätzen mit Seniorenkolleg und Mehrgenerationenhaus. Stellvertretend stellen wir zwei Initiativen genauer vor. Zum Projekt Toleranzentwicklung und Diversity.