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Best Practice Technologietransfer

10/15/15

Innovation für Veganer: Forscherteam der Hochschule Anhalt entwickelt Dessert aus Seidentofu

Die Silk-Tofu-Entwickler im Biotechnikum der Hochschule Anhalt: Silvia Götsch und Anh Viet Trinh.

Frisch, leicht, frei von Allergenen und zum Mitnehmen im Becher – das ist ein neues, einzigartiges Dessert namens „Silk Tofu“.  Die Idee dazu stammt von den Studenten der Hochschule Anhalt Vi Le und Anh Viet Trinh. Qualität und Nutzwert für den Verbraucher wurde dem veganen Produkt bereits bestätigt: Im April gab es den ersten Platz im bundesweiten Wettbewerb des Forschungskreises der Ernährungsindustrie „TROPHELIA 2015“.

Ein vietnamesisches Dessert für den deutschen Verbraucher

„Unsere Geschichte beginnt mit den Desserts von Oma „Châu“, erzählt Anh Viet Trinh in der Küche des Biotechnikums auf dem Campus in Bernburg-Strenzfeld. Er studiert Betriebswirtschaft an der Hochschule Anhalt und fand sich vor einigen Monaten etwas unerwartet hier wieder. „Vi Le studiert Lebensmitteltechnologie und wollte ein typisches Seidentofu-Dessert aus Vietnam nach Deutschland bringen“, so Anh Viet Trinh, der wie Vi Le einen Teil seiner Kindheit in Vietnam verbrachte. Mit ihrer Idee stießen sie bei der Hochschulleitung, die den Forschungsschwerpunkt „Life Sciences“ vertritt, auf offene Ohren.

Die Silk-Tofu-Entwickler bei Ecotrophelia
in Mailand: Vi Le, Anh Viet Trinh und Silvia
Götsch. v.l. Bild: FEI/Kinkel.
Sojabohnen in der Küche des Biotechnikums

Die Küche des Biotechnikums gleicht eher einem Labor, das man mit weißem Kittel und Schutzüberzügen betritt. Auf dem langen Edelstahltisch stehen ein Sack mit Sojabohnen, das Fällungsmittel Glucono-Delta-Lacton und das pflanzliche Geliermittel Agar-Agar. Um diese zur richtigen Konsistenz zu verrühren und zu verkochen, mussten die Studierenden viel Freizeit investieren. „Schon eine andere Charge Sojabohnen kann das Ergebnis erheblich beeinflussen“, sagt die angehende Ökotrophologin Silvia Götsch, die seit kurzem zum Team gehört. Zwar gibt es in Deutschland Seidentofu auch fertig zu kaufen. Allerdings hat es nicht den Geschmack des vietnamesischen Originals.

Gutes Gesamtkonzept für den deutschen Lebensmittelmarkt

Mit Hilfe ihrer Dozenten Dr. Margit Brandt und Prof. Christof Hamel sowie vielen sensorischen und geschmacklichen Tests war das Dessert wettbewerbsreif: „Silk Tofu“ – aus milder Soja, cremiger Kokosnussmilch und sinnlicher Amarena-Kirsche, laktosefrei, kein Cholesterin, reich an ungesättigten Fettsäuren, rein pflanzlich – so steht es auf der Verpackung, die der Design-Student der Hochschule Anhalt Richard Göpel entwickelt hat. Kosten soll es übrigens 1,29 Euro. „Ich glaube, es war auch das gute Gesamtkonzept, mit der wir die Jury aus Unternehmern der Lebensmittelindustrie überzeugen konnten“, schätzt Anh Viet Trinh.

Von der Idee zum Food-Startup

Die Trophelia-Platzierungen zeigen, dass „Silk Tofu“ das Zeug hat, sich in den Kühlregalen neben Sojapudding und Sojajogurt seinen Platz zu sichern. Dass eine innovative, ökologisch wertvolle Lebensmittelkreation jedoch keine Garantie für den Erfolg auf dem Lebensmittelmarkt ist, zeigt der Blick auf die vergangenen fünf Ideen-Wettbewerbe mit jeweils sechs Teams. „Wir wissen von zwei Produkten“, so Pressesprecherin Daniela Kinkel, „die ihren Weg in den Markt geschafft haben.“  Doch Food-Startups mit nur einem Kernprodukt hätten es in der Regel schwer, beständig in den Regalen zu landen, brauchten viel Engagement und einen finanzstarken Investor.

Perfektionierung und Standardisierung

Dieses unternehmerische Risiko kennt auch das Silk-Tofu-Team. Für eine Ausgründung haben sie sich deshalb noch nicht entschieden. Zurzeit arbeiten sie an der Perfektionierung ihres Desserts und der standardisierten Herstellung weg vom Kochtopf hin zur Maschine. Eines haben sie sich damit bereits erarbeitet: eine ausgewiesene Expertise bei der Herstellung und Verarbeitung von Seidentofu.

Tradition und Zeitgeist: Auf der Verpackung von Silk Tofu ist auch Oma
Châu zu sehen. Bild: FEI/Kinkel.