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Best Practice Wissenstransfer

10/15/15

Objektive und faire Mitarbeiterbeurteilung: Promovendin entwickelt neues Verfahren

Manuela Koch-Rogge, Promovendin und derzeit Mitarbeiterin der Hochschule Harz.

Unternehmer wollen wissen, was ihre Mitarbeiter leisten. Mitarbeiter wollen gerecht beurteilt werden. Die Promovendin Manuela Koch-Rogge hat mit beiden Seiten gesprochen und ein neues Verfahren zur Beurteilung einzelner Mitarbeiter entwickelt. Es basiert auf dem softwaregestützten Effizienzmessungsinstrument Data Envelopment Analysis (DEA). 

Data Envelopment Analysis zur Mitarbeiterbeurteilung

„Der Vorteil der DEA ist vor allem“, erklärt Manuela Koch-Rogge, „dass sich sehr viele Faktoren einbeziehen lassen und die Gewichtung dank linearer Optimierung automatisch erfolgt und zum Besten des Mitarbeiters.“ Nach ihrem Studium an der Hochschule Harz sammelte die Betriebswirtin in verschiedenen Projekten Erfahrungen mit Effizienz- und Leistungsmessungen. Auftraggeber waren mehrfach Banken und Dienstleister aus der Region. Um die DEA nicht nur zur Bewertung von Filialen, sondern auch von einzelnen Mitarbeitern einzusetzen, war Entwicklungsarbeit gefragt.  Wichtig war dabei ein größtmöglicher Praxisbezug. Deshalb diskutierte Manuela Koch-Rogge die Ansätze ihrer Promotionsarbeit in Workshops mit Führungskräften und Personalverantwortlichen.

Praxisbeispiel: Mit diesen Faktoren könnten 3 Kundenberaterinnen auf Basis der DEA beurteilt werden.
Beurteilt werden soll eine 59 Jahre alte Kundenberaterin

Es ist ein typischer Fall: beurteilt werden soll die Leistung einer Kundenberaterin einer Bank. Entscheidet sich das Management für ein einfaches Ranking, dann sieht es sich ausschließlich den Jahresumsatz an. Bei der DEA werden auch biografische Faktoren wie Alter und Berufserfahrung sowie Rahmenbedingungen wie Wettbewerbsintensität herangezogen. Das ist zwar auch bei der Beurteilung mit Hilfe anderer Verfahren wie der Balanced Scorecard möglich, allerdings wird es selten gemacht (siehe den Überblick der Verfahren). Zusätzlich können so genannte „Peers“ aufgezeigt werden. Bei dem Vergleich von Kollegen fließen etwa Kundenstrukturen und Leistungsindikatoren wie die Anzahl von Kundenterminen ein (siehe das Praxisbeispiel).

Ist das fair? Mitarbeiter bewerten Verfahren

Manuela Koch-Rogge ist von der Notwendigkeit objektiver Messverfahren anhand von Daten überzeugt. „Richtig eingesetzt, können sie Beurteilungen unabhängig davon machen, ob jemand sympathisch oder unsympathisch ist“, so die 35-Jährige, die ihre Doktorarbeit demnächst an der Anglia Ruskin University in Cambridge einreichen wird. Bestätigt wurde sie darin von den 120 angestellten Mitarbeitern, welche sie befragte. „Das Beurteilungsverfahren auf Basis der DEA wurde als sehr fair empfunden“, so die Promovendin.


"Setze ich bei Mitarbeiter-Beurteilungen, die meistens an das Vergütungssystem gekoppelt sind, die falschen Rahmenbedingungen ein, kann viel Porzellan zerschlagen werden.“ Katharina Heuer von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP).
Das ganze Interview.


Variable Leistungsvergütungen unter richtigen Rahmenbedingungen

Auch die Personalverantwortlichen und Führungskräfte aus den Workshops zeigten sich interessiert an dem Verfahren. Allerdings fehlt es zurzeit noch an den Daten, um das Verfahren umzusetzen. „Die Datenbestände sind oft auf Kennzahlen, zum Beispiel Umsatz, Betriebsergebnisse begrenzt“, weiß Katharina Heuer. Sie ist Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (siehe auch das Interview). „Es wäre aber sowohl im Sinne der Personaler als auch der Führungskräfte, so viele Faktoren wie möglich einzubeziehen“, so Katharina Heuer, „denn setze ich bei Mitarbeiter-Beurteilungen, die meistens an das Vergütungssystem gekoppelt sind, die falschen Rahmenbedingungen ein, kann viel Porzellan zerschlagen werden.“

Die Data Envelopment Analysis im Vergleich mit anderen gängigen Verfahren.