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Ja, ich forsche

10/15/15

Prof. Lothar Koppers: „Interessant finde ich, wenn sich eine Sackgasse zeigt“

Fliegt den Gyrocopter der Hochschule Anhalt selbst: Prof. Lothar Koppers. Bild: Koppers.
Herr Prof. Koppers, an welchen Themen arbeiten Sie derzeit aktiv als Forscher?

Mein Interesse gilt Fragen rund um das digitale „Wo?“ Dies ist eine eher querschnittliche Fragestellung. Dadurch ergibt sich ein, auf den ersten Blick, thematisch heterogener Eindruck. Hierzu bin ich in sehr verschiedenen Themen unterwegs. Mit dem neuen Gyrocopter der Hochschule Anhalt ist es das Ziel, mit neuen Verfahren die Datenqualität für Entscheidungsunterstützungssysteme zu stützen.  Im Projekt GISEK geht es um die optimale Flächennutzung für die Erzeugung erneuerbarer Energien, im Bereich Versorgungsforschung geht es um den räumlich koordinierten Einsatz von Servicetechnikern und die WLAN-basierte Indoornavigation für Patienten. In demographisch kritischen Regionen kümmere ich mich darum, die Bevölkerungsstruktur durch räumlich relevante Maßnahmen zu stützen. Schließlich darf ich mich noch als Mitglied der Enquete-Kommission des Bayerischen Landtags um gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen kümmern.   

An wie vielen Projekten sind Sie konkret beteiligt?

Momentan stehen sechs Projekte in der Bearbeitung, andere werden aktuell vorbereitet.   

Was motiviert Sie zu forschen? Immerhin ist der Aufwand neben der Lehre als nicht zu gering einzuschätzen.

Wir leben in einer bewegten Zeit und ich bin neugierig. Es gibt viele spannende Fragen, die es zu beantworten gilt und welche gleichzeitig technisch lösbar scheinen. Hier, so denke ich, können Geoinformatik und Vermessungswesen einen essentiellen Beitrag leisten. Gleichzeitig geht es mir darum, den Studierenden Betätigungsfelder aufzuzeigen, in denen es möglich ist, zur Entwicklung der Gesellschaft beizutragen.  

Wissenschaftler von Fachhochschulen haben im Normalfall kein Personal, um Forschungsprojekte durchzuführen. Wie lösen Sie dieses Problem?

Das ist richtig und die Lösung dieser Frage hat mich lange beschäftigt. Das funktioniert, insbesondere zu Beginn der eigenen Forschungstätigkeit, neben hohem eigenem Engagement in Eigenforschungsprojekten, nur mit motivierten und gut ausgebildeten Studierenden. Ergebnisse von gut betreuten Projektarbeiten, insbesondere in Masterstudiengängen können wichtige Beiträge dazu leisten. Die entstehenden Puzzlestücke müssen zusammen gefügt werden und mit etwas Kreativität auf eine aktuelle Fragestellung treffen. Den Antrag zu schreiben ist dann sicherlich sehr komplex. Hier ist es wichtig, qualifizierte Kollegen einzubinden, welche das Elaborat kritisch prüfen und die richtigen Fragen stellen. Hat man einmal eine gewisse Schwelle überschritten und mehrere Drittmittelprojekte bearbeitet, verstetigen sich die Prozesse und man wird zunehmend von außen angesprochen, sich an Projekten zu beteiligen.

Gab es bislang ein Projekt, das keinen Nutzen für Ihre Arbeit als Lehrender und/oder Forscher hatte?

Ich gliedere mein Forscherleben in Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresziele. Das Tagesziel lautet: jeden Tag etwas Neues lernen. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Inhaltlich, fachlich, strukturell und sicher auch menschlich. Besonders interessant finde ich es, wenn etwas nicht funktioniert, wenn sich eine Sackgasse zeigt. Das mag zunächst seltsam erscheinen. Dabei ist Forschung weniger eine Folge von Erfolgen. Der Forschungserfolg stellt sich nachhaltig vielfach durch eine Verkettung von überwundenen Fehlern und Fehleinschätzungen ein. Leider wird in Publikationen sehr wenig darüber berichtet, was nicht funktioniert. Die meisten Autoren möchten gerne als Ritter in glänzender Rüstung wirken. Dabei wird es vor allem interessant, wenn man sich irrt oder etwas nicht zielführend ist. Daraus ergibt sich schon von selbst, dass jedes Projekt zur Qualität in Lehre und Forschung beiträgt.