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Innovationsmanagement: Interview mit Prof. Dirk Sackmann, Sprecher des KAT-Netzwerks

07/05/16

„Eine unserer großen Stärken liegt in der Integration von Innovationen“

Sprecher des KAT-Netzwerks: Prof. Dirk Sackmann von der Hochschule Merseburg.
KAT-Sprecher Prof. Dirk Sackmann

Seit 2006 arbeitet das Kompetenznetzwerk für angewandte und transferorientierte Forschung (KAT) daran, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen aus Sachsen-Anhalt für Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu gewinnen. Über die aktuellen Herausforderungen und die nächsten Ziele haben wir mit dem Sprecher des KAT, Prof. Dirk Sackmann, gesprochen.

Herr Prof. Sackmann, was bereitet Ihnen derzeit am meisten Kopfzerbrechen?

Wie wir uns zum Thema Industrie 4.0 aufstellen. Entscheidende Erfolgsfaktoren werden dabei die Bündelung der Kompetenzen in der Region sowie die Wahrnehmung unseres Leistungsangebots bei den Unternehmen sein.

Ist das Thema Industrie 4.0 überhaupt schon bei den KMU angekommen?

Möglicherweise nicht in seiner großen Vision eines total vernetzten Betriebsablaufs. Das zeigen zumindest erste Veranstaltungen, die wir mit Unternehmern durchgeführt haben. Aber sehr wohl in Bezug auf einzelne betriebliche Abläufe, die noch nicht digitalisiert sind. Nehmen Sie zum Beispiel die Datenverarbeitung, die in einigen KMU noch immer ausschließlich in Papierform abgewickelt wird.

Das heißt, kleine Schritte für eine effiziente Umsetzung von Innovationen?

So könnte man es sagen. Wir müssen sehen, wo wir die Unternehmen abholen können und wofür wir sensibilisieren müssen. Häufig sehen die KAT-Ansprechpartner schon beim ersten Betriebsrundgang, wo und wie man ansetzen kann.

Das KAT gibt es jetzt seit mehr als 10 Jahren. Was hat sich in dieser Zeit geändert?

Wir hatten anfangs den Schwerpunkt, Hardware für Innovationen zu schaffen. Heute bieten unsere Innovationslabore eine gute Infrastruktur für Forschung und Entwicklung mit KMU. Unser Fokus liegt nun darauf, noch stärker auf die Unternehmen zuzugehen, die Herausforderungen der Unternehmen zu identifizieren und die Unternehmen bei der Entwicklung innovativer marktreifer Produkte und Prozesse zu begleiten.

Wie erfolgreich waren Sie dabei bis jetzt?

Wenn wir den ersten Schritt in den Betrieb geschafft haben, ist schon eine große Hürde genommen. Dann beginnt der KAT-Prozess, der sich inzwischen gut bewährt hat: Identifizierung des Problems, Kanalisierung innerhalb der Hochschule bzw. Hochschulen, fachliche Beratungsgespräche und Analyse, Beantragung und Durchführung eines Forschungsprojekts. Am Ende steht die Umsetzung der Projektergebnisse im Unternehmen. Dabei verstehen wir uns in jeder Phase als Dienstleister, der die Projekte unterstützt und vorantreibt, denn dazu haben gerade KMU im Tagesgeschäft oft keine Zeit und keine personellen Kapazitäten.

Woran lässt sich der Erfolg des  KAT in den vergangenen Jahren festmachen?

Der Erfolg lässt sich an vielen, verschiedenen Kriterien festmachen. Allein die Vermittlung eines Experten aus der Wissenschaft an die anfragenden Unternehmen ist für uns ein Erfolg. Aber auch die Zahlen sprechen für die Bedeutung des KAT-Netzwerks: Wir konnten die Drittmitteleinnahmen der Hochschulen direkt aus der regionalen Wirtschaft von 694.139 Euro in 2013 auf 1.284.502 Euro in 2015 steigern. Auch die Zahl der zusätzlich eingeworbenen Drittmittel der Hochschulen aus öffentlichen Quellen für Kooperationen mit der regionalen Wirtschaft entwickelten sich positiv: von 6.529.470 Euro in 2013 auf 8.085.531 Euro in 2015.* Seit der Gründung des KAT-Netzwerks sehen wir bis in die vergangenen drei Jahre die stetige Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Hochschulen Sachsen-Anhalts in Kooperation mit der hiesigen Wirtschaft.

Welches sind die nächsten Ziele?

Wir wollen uns weiter als erster Ansprechpartner für Unternehmen in der Region etablieren, die Forschungs- und Entwicklungsbedarf haben. Eine unserer großen Stärken liegt in der Integration von Innovationen. Die meisten unserer Hochschulmitarbeiter kommen aus der Praxis, kennen die betrieblichen Prozesse und wissen, wie man Technologien in Geschäfts- und Produktionsprozesse nutzbringend einbinden kann. Diese Stärke verbunden mit schnellen und flexiblen Fördermöglichkeiten durch das Land, ist unser Weg, die regionale Wirtschaft zu unterstützen.

In einem Beitrag der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. wurde unlängst Sachsen-Anhalt als positives Beispiel erwähnt, weil hier Transfer-Gutscheine übliche Praxis seien. Welche Rolle spielt diese Fördermöglichkeit in Zukunft?

Lösungen im Rahmen von Bachelor- oder Masterarbeiten zu finden, haben sich in mehrerer Hinsicht bewährt: Studierende haben relevante Praxiserfahrung und vielleicht ihren zukünftigen Arbeitgeber gefunden. Das Unternehmen hat relativ schnell eine Lösung in der Hand, vielleicht eine neue Fachkraft gefunden und – das ist für uns als KAT besonders wichtig – schließt Vertrauen zur Forschungseinrichtung. Damit sind beste Voraussetzungen für größere Forschungsprojekte geschaffen.