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Interview - Ja, ich forsche

07/12/16

Prof. Eduard Siemens: Misst Erfolg am Gewinn von Erfahrungen und Erkenntnissen

Prof. Eduard Siemens an einem seiner Schaffensorte: den Laborräumen der Hochschule Anhalt.
Prof. Dr. Eduard Siemens Hochschule Anhalt

An dieser Stelle sprechen Forscher der KAT-Hochschulen Anhalt, Harz, Magdeburg-Stendal und Merseburg über ihre Themen und Projekte sowie ihre Sicht auf Hürden und Möglichkeiten der angewandten Forschung. Jetzt: Prof. Eduard Siemens vom Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Anhalt.

Herr Prof. Siemens, an welchen Themen arbeiten Sie derzeit aktiv als Forscher?

Es sind aktuell zwei große Themen – der schnelle Datentransport  in Cloud-Umgebungen (BigData Transport) sowie Energieeffizienz durch Kommunikationsmittel.

An wie vielen Projekten sind Sie konkret beteiligt?

Aktuell sind es vier Projekte, an denen aktiv gearbeitet wird – zwei auf dem Themengebiet  BigData Transport  und zwei auf dem Gebiet Energieeffizienz.

Was motiviert Sie zu forschen? Immerhin ist der Aufwand neben der Lehre als nicht zu gering einzuschätzen.

Da kommt man kaum mit einer einzigen Antwort aus. Zum einen ist es der an sich selbst gestellte Anspruch in Verbindung mit dem übertragenen Professorenamt. Wenn ein FH-Professor nicht forschen würde, sollte er schon folgerichtig als Hochschullehrer bezeichnet werden.

Außerdem war für mich der Wechsel aus der Industrie an die Hochschule nur unter der Bedingung attraktiv, dass man dabei die Möglichkeit bekommt, noch ein paar innovative Produkte in die Welt zu bringen, für die die industrielle Umgebung keinen geeigneten Platz hatte.

Des Weiteren ist für mich die Forschung untrennbar mit der Zusammenarbeit mit Doktoranden und Nachwuchsforschern verbunden. Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, wie junge Absolventen innerhalb von wenigen Jahren sich zu Fachleuten entwickeln, die eigenständig Technologien und Produkte weiterentwickeln können. Die weiteren Berufschancen, vor allem im Ingenieurbereich sind nach 2 bis 3 oder auch mehr Jahren an der Hochschule deutlich vielseitiger und interessanter als nach dem direkten Wechsel von der Hochschule in die Industrie.

Wie schätzen Sie als Wissenschaftler Kosten und Nutzen von Forschungsprojekten ein? Gab es bislang ein Projekt, das keinen Nutzen für Ihre Arbeit als Lehrender und/oder Forscher hatte?

Die Frage greift aus meiner Sicht zu kurz. Wie ist der Nutzen eines Forschungsprojektes zu messen? In Umsatzerlösen eines entwickelten Produktes? – dann ist das Vorhaben an einer Hochschule falsch aufgehoben. Natürlich ist es unser Traum, dass jedes Projekt in einem Produkt – am besten noch in einem Startup mit einem innovativen Produkt mündet. An der Hochschule werden aber nur Produkte platziert, bei denen der wirtschaftliche Nutzen nicht am Projektbeginn beziffert werden kann. Sollte vielleicht der Erfolg vielmehr an dem Zugewinn von Erfahrungen und Erkenntnissen der Mitarbeiter gemessen werden? Aber ein Projekt ohne „Erfolgsdruck“ von etwas „Greifbarem und Vermarktbarem“ hat wenige Aussichten, einen wirtschaftlichen Nutzen mit sich zu bringen. Aus der Perspektive des Zugewinns an Erfahrungen und Erkenntnissen kenne ich tatsächlich keine „nutzlosen“ Projekte bei mir.

Wissenschaftler von Fachhochschulen haben im Normalfall kein Personal, um Forschungsprojekte durchzuführen. Wie lösen Sie dieses Problem?

Durch Einwerbung von Mitteln für Doktoranden und Mitarbeiter. Klar ist es kein leichter Weg, aber ein gangbarer. Man sollte die Förderanträge dabei so breit wie möglich streuen und sich nicht nur auf ein einziges Programm fokussieren. Damit werden an meinem Labor derzeit  zehn Nachwuchswissenschaftler finanziert, bei meinem Antritt an der Hochschule Anhalt 2010 lief in dem Labor kein einziges Projekt – es geht also doch…