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Unternehmersicht: Udo Boskugel von der Bue Anlagentechnik GmbH
Von der Politik mal gefördert, mal behindert: Udo Boskugel von der bue Anlagentechnik GmbH hat sich für einen eigenen Weg mit Forschung & Entwicklung entschieden.
bue Anlagentechnik GmbH Udo Boskugel

In ihrer bislang schwersten Krise hat sich die bue Anlagentechnik GmbH dazu entschieden, auf Innovationen durch Forschung und Entwicklung zu setzen. Heute hat der Erbauer von Biogasanlagen in Frankleben bei Mücheln am Geiseltalsee drei Patente in der Hand, die er bereits vermarktet. Wie es dazu kam, erzählt der Geschäftsführer Udo Boskugel.

Herr Boskugel, warum haben Sie sich vor einigen Jahren dazu entschieden, auf Innovationen zu setzen?

Nachdem die ersten Erneuerbare-Energien-Gesetze (EEG) einen regelrechten Boom von Biogasanlagen auslösten, kam das Neugeschäft durch die zurückgefahrenen Förderungen in den EEG 2012 und 2014 nahezu zum Erliegen. Um diese Zeit zu überbrücken, haben wir nach Wegen gesucht, um uns mit Forschung und Entwicklung einen gewissen Vorsprung zu erarbeiten.

Wie sahen Ihre ersten Schritte in diese Richtung aus?

Es gab bereits einen Kontakt zur Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien e.V. (GMBU) in Halle (Saale), die uns auf mögliche Themen angesprochen hatten. In einem ersten Projekt ging es dann um die Entschwefelung, die für Biogasanlagen ein großes Problem ist. Der Erfolg war ein erstes Patent für unsere Firma und wir haben uns auf vier weitere Forschungsprojekte eingelassen.

Wieviele Ressourcen bindet die Forschung und Entwicklung in Ihrem Unternehmen?

Wir sind aktuell zu Acht und zeitweise nehmen unsere Projekte mehr als die Hälfte der Kräfte in Anspruch. Dabei geht es unter anderem um Recherchen, Vorarbeiten, Abstimmungen mit den Projektpartnern oder die zeitnahe, praktische Umsetzung der Entwicklungen. Einiges decken wir auch über Praktikanten oder Masterarbeiten ab. Außerdem nutzen wir die Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) oder Programme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Haben Sie manchmal die Befürchtung, dass sich der Aufwand nicht lohnen wird?

Das Risiko hat man bei Forschungsprojekten immer. Allerdings wissen wir, was unsere Kundinnen und Kunden wollen, wo Verbesserungspotenzial liegt. Und Kunden honorieren, wenn Nutzen für sie greifbar wird. Das ist unsere wichtigste Absicherung.

Und dann ist da noch die EEG-Gesetzgebung…

In der Tat, mit der politischen Willkür müssen wir seit Jahren leben. Aber momentan stehen die Zeichen gut. Und wir haben aller Voraussicht nach einen technischen Vorsprung, wenn es wieder weitergeht mit der Förderung.

Welchen Vorsprung meinen Sie?

Es war schon immer ein Problem von Biogasanlagen, dass nur 50 Prozent der erzeugten Energie genutzt werden, nämlich der Strom. Die anderen 50 Prozent – die Wärme – blieben bislang weitgehend ungenutzt. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Hochschule Magdeburg-Stendal, der GBU, der ifak System GmbH und anderen Partnern „Thermoflex“ entwickelt. Mit dem Verfahren lässt sich der Nachgärer gezielt als Wärmebatterie nutzen. Und nach aktuellem Stand müssen Biogasanlagen in Zukunft eine Wärmeversorgung nachweisen, was mit „Thermoflex“ gewährleistet wäre. Außerdem sind unsere Anlagen damit weitaus flexibler und effizienter zu betreiben.

Wie lange hat die Entwicklung von „Thermoflex“ gedauert?

Mit der Idee eines flexiblen Wärmespeichers ist Ingolf Seick von der Hochschule Magdeburg-Stendal bereits vor zwei oder sogar drei Jahren an uns herangetreten. Das Projekt selbst wird von 2016 bis 2018 gefördert. Bis spätestens 2018 wollen wir auch die erste Demonstrationsanlage bauen und hätten damit ein weiteres wichtiges Patent in der Hand.

Das heißt, diesmal haben Sie Glück mit dem EEG-Gesetz?

Ja, es sieht so aus. Für das neue Projekt „Thermoflex“ sprachen aber auch andere Gründe: In erster Linie sind wir überzeugt von der Idee, dass man aus tierischen Exkrementen Energie produzieren kann – mit Vorteilen für Landwirt und Umwelt. Im Zweifel müssen wir auf die Weiterentwicklung der Biogastechnologien setzen, weil es unser Kerngeschäft ist und: Die Arbeit und der Austausch mit den Wissenschaftlern ist für unsere tägliche Arbeit so anregend, dass wir darauf nicht mehr verzichten möchten.