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Ja, ich forsche

10/17/16

Prof. Jürgen Wiese: Vermisste als Manager die praktische Arbeit

Prof. Jürgen Wiese in einem der Hochschullabore für das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft Schwerpunkt Abwasser. Hier geben zum Beispiel Kläranlagenbetreiber die Untersuchung von Klärschlamm in Auftrag.
Hochschule Magdeburg Stendal

Wieder ein Problem gelöst! Das können viele Forscherinnen und Forscher bereits von sich sagen. Hier lassen wir einige dieser Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der KAT-Hochschulen Anhalt, Harz, Magdeburg-Stendal und Merseburg zu Wort kommen. Jetzt: Jürgen Wiese, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal seit Januar 2016.

Herr Prof. Wiese, an welchen Themen arbeiten Sie derzeit aktiv?

Aktuell ist es das Projekt „Thermoflex“. Dabei geht es darum, Biogasanlagen flexibler zu nutzen, das heißt konkret die produzierte Wärme, ohne einen zusätzlichen Speicher einzusetzen. Einen weiteren Antrag haben wir gestellt, um die Prozesse einer Biogasanlage zu simulieren und den Betreibern die Möglichkeit zu geben, diese zu optimieren.

An wie vielen Projekten sind Sie konkret beteiligt?

Vor allem in Bezug auf die Flexibilisierung von Biogasanlagen, was Messen, Steuern, Regeln angeht, arbeiten wir stetig an Problemen und Lösungen, zum Beispiel auch in kleineren, studentischen Projekten. Die Ergebnisse sind nicht selten eine gute Vorbereitung zur Beantragung neuer Projektgelder.

Was motiviert Sie zu forschen? Immerhin ist der Aufwand neben der Lehre als nicht zu gering einzuschätzen.

An die Hochschule zu gehen, war eine grundsätzliche Entscheidung. Ich war lange Zeit in anderen Bereichen tätig, in der Industrie, unter anderem als Geschäftsführer der Abwasser- und Bioabfallsparte eines kommunalen Energieversorgers. Als Manager trifft man vor allem Entscheidungen, führt Personal. Ich persönlich habe dabei die praktische Arbeit vermisst und mich deshalb für die Hochschule entschieden.

Wie schätzen Sie Kosten und Nutzen von Forschungsprojekten ein?

Grundsätzlich bin ich Optimist und hoffe, dass wir auch weitere Projekte bewilligt bekommen. Natürlich kann es sein, dass man fünf Projekte beantragt und nur eine Zusage bekommt. Das ist zumindest die Erfahrung von Kolleginnen und Kollegen. Aber wenn wir unsere Karten richtig ausspielen, haben wir als Fachhochschule durchaus eine Chance gegen die größeren Universitäten anzutreten.

Wissenschaftler von Fachhochschulen haben in der Regel keinen Personalstab für Forschungsprojekte. Wie lösen Sie dieses Problem?

Das ist ganz sicher grundsätzlich ein Problem. Hier in Magdeburg sind wir in dieser Hinsicht allerdings vergleichsweise gut ausgestattet. Wenn unser Fachbereich seine Kräfte bündelt, inklusive der Labore, haben wir viele Möglichkeiten. Außerdem hat mich an der Hochschule Magdeburg-Stendal überzeugt, dass es hier erfahrene, langjährige Mitarbeiter/innen unter anderem im Labor gibt, die eine entscheidende Stütze für Forschungsvorhaben sind. Das betrifft sowohl ihre fachliche Kompetenz als auch Kontakte in die Wirtschaft.

Würden Sie sich eine stärkere Beteiligung der Wirtschaft wünschen?

Gerade die Biogas-Wirtschaft ist sehr kleinteilig aufgestellt und hatte in den vergangenen Jahren große Schwierigkeiten, überhaupt zu bestehen. In dieser Situation kann man nicht zu viel erwarten. Ich denke aber, dass das Interesse grundsätzlich da ist, das erkennen wir zumindest in unseren Projektpartnern.