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Thema Digitalisierung

11/14/16

Prof. Lutz Klimpel: Unternehmerische Kriterien sind entscheidend

Von analog auf digital – mit dem Schritt zu mehr Software sind für Unternehmerinnen und Unternehmer Fragen verbunden: Welche Lösung ist die richtige? Was bringt mir die Umstellung? Keiner weiß das besser als Prof. Lutz Klimpel von der Hochschule Merseburg. Studierende seiner Lehrveranstaltung „Wirtschaftsinformatik“ beraten vor allem kleine Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung.

Herr Prof. Klimpel, in diesem Semester haben sich rund 40 von 150 Ihrer Studierenden freiwillig dafür entschieden, Teile ihrer Prüfung im Rahmen eines Unternehmer-Projekts abzulegen. In den vergangenen Semestern gab es bereits eine bemerkenswerte Anzahl solcher Projekte. Das müsste ein riesiger Digitalisierungsschub für die Region sein.

Ganz sicher gibt es einen Effekt, allerdings wissen wir nicht, wie groß dieser tatsächlich ist. Der Auftrag an die Studierenden ist, ein Unternehmen mit einem entsprechenden Problem zu akquirieren, die Anforderungen an die digitale Lösung aufzunehmen, nach einer passenden Anwendung zu suchen und den Firmen dazu eine Wirtschaftlichkeitsrechnung an die Hand zu geben. Ob diese unserer Empfehlung folgen, bleibt ihnen überlassen.

Was könnte dagegen sprechen?

Die Unternehmer, die ich kennengelernt habe, stehen mit beiden Beinen auf dem Boden. Wenn sie keinen Mehrwert sehen, also die digitale Lösung nicht zu höheren Umsätzen führt oder eine Erleichterung bringt, investieren sie auch nicht. Für größere Unternehmen ist es kein Problem, in größeren Dimensionen zu denken und mal in einen Trend zu investieren, der sich vielleicht nicht rentiert. Für kleinere Betriebe schon.


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© Herbert Käfer  / pixelio.de

Welche Software eignet sich für eine Bauschlosserei? Diese Frage beantworteten angehende Wirtschaftsinformatiker der Hochschule Merseburg im Rahmen eines Transfer-Gutschein-Projekts. Bild rechts: © Herbert Käfer  / pixelio.de, www.pixelio.de


Das heißt, bei den Entscheidungen spielen weniger emotionale Gründe als betriebswirtschaftliche eine Rolle?

Das ist jedenfalls die Erfahrung, die ich seit mehreren Jahren mache. Viele Unternehmer, auch aus kleinen Betrieben, wissen sehr wohl, dass es digitale Lösungen gibt und verschließen sich diesen nicht generell. Haben sie einmal fundierte Argumente auf dem Tisch, dann entscheiden sie nach unternehmerischen Kriterien.

Solche Entscheidungsgrundlagen entwickeln Ihre Studierenden innerhalb eines Semesters. Welche Kompetenzen sind dabei am meisten gefragt?

Es ist wichtig, offen und zugleich entschieden auf die Unternehmer zuzugehen. Die Teams mit der stärksten Kommunikation sind in der Regel am erfolgreichsten. Sie müssen sich vorstellen, dass jeder unserer Unternehmenspartner ein Problem hat, das er lösen will. Er will in möglichst kurzer Zeit seine Fragen loswerden und eine Entscheidung treffen, die seinem Unternehmen hilft. Dafür braucht er Berater, die zwar das neueste Fachwissen haben, aber auch auf ihn eingehen. Das gelingt durch intensive Kommunikation.

Wie groß ist nach Ihrer Einschätzung das Potenzial, Produktions- und Geschäftsprozesse kleiner und mittlerer Unternehmen zu digitalisieren?

Bewertet man die Unternehmen nach internationalen Kategorien, gibt es sicher großes Potenzial. Im Wintersemester 2014/2015 haben wir unsere Unternehmenspartner nach dem „Nexus of Forces“-Modell der Gartner-Group mit den uns bekannten Informationen bewertet. Das Ergebnis: Bis auf vier von 39 lagen alle in den ersten drei von sechs Leveln – eine integrative Digitalisierung beginnt nach diesem Modell aber ab Level vier. Auf der anderen Seite haben wir aber ganz klare unternehmerische Entscheidungen, die zum Teil gegen digitale Lösungen sprechen.

Welches ist nach Ihrer Ansicht der beste Weg zu mehr Digitalisierung?

Ich denke, dass man mit Beratungsprojekten wie sie unsere Studierenden akquirieren und durchführen, eine Menge bewirken kann. Den kleinen Unternehmern fehlt in erster Linie die Zeit und personelle Kraft, um sich mit neuen Lösungen auseinanderzusetzen. Insofern wünschen wir uns, dass der Kreis der Unternehmer und der Studierenden, die erfolgreich zugunsten der regionalen Wirtschaft kooperieren, auch zukünftig stetig wachsen wird.