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Interview: Innovationsmanagement

01/04/17

Prof. Thomas Leich: „Sie fragen uns: Digitalisierung – trifft mich das?“

Koordiniert den Studiengang Technisches Innovationsmanagement an der Hochschule Harz gemeinsam mit Prof. Andrea Heilmann: Prof. Thomas Leich.
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Prof. Thomas Leich weiß, welche Hürden mit dem Ziel verbunden sind, eine Neuerung – oder eine Innovation – durchzusetzen. Aus Theorie und Praxis. Der studierte Wirtschaftsinformatiker hat sich mit neuen IT-Lösungen an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg auseinandergesetzt und Unternehmen zur Anwendung von Softwarelösungen beraten. Im Rahmen seiner VW Financial Services Stiftungsprofessur an der Hochschule Harz (insbesondere Requirements-Engineering) gibt er sein Wissen unter anderem an die Studierenden des Masterstudiengangs „Technisches Innovationsmanagement“ weiter.

Herr Prof. Leich, VermittlerInnen zwischen technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen waren in einem Unternehmen klassisch immer die Wirtschaftsingenieure. Was wissen Ihre Master-Studierenden mehr?

Es stimmt, WirtschaftsingenieurInnen und im Übrigen auch WirtschaftsinformatikerInnen haben bereits wichtige Qualifikationen, die InnovationsmanagerInnen auszeichnen. Mit unserem Master-Studium kommen – sehr Fallstudien-orientiert – Kenntnisse darüber hinzu, wie sich Innovationen um- und durchsetzen lassen. Darüber hinaus vermitteln wir in den drei Semestern, was auf Unternehmen im Zuge der Digitalisierung zukommen könnte. Grundlagen der IT sind uns insofern wichtig, damit die Studierenden verstehen, zum Beispiel wie Google funktioniert oder wie man in großen Datenmengen neue Erkenntnisse findet.

Wie zufrieden sind Sie seit dem Start 2014?

Sehr zufrieden. Bislang konnten wir jedes Semester starten. Unsere Studierenden kommen aus ganz Deutschland, einer sogar aus Salzburg. Es sind auch nicht alle BewerberInnen zugelassen worden. Auch für die Zukunft wollen wir die kleinen Lerngruppen und die individuelle Betreuung möglichst erhalten.

Ist das Thema Industrie 4.0 ein Antrieb für die guten BewerberInnen-Zahlen?

Nach meinem Eindruck wird das Verständnis für IT als Problemlöser immer besser. Der Druck durch günstigere Konkurrenz wird für viele immer öfter spürbar, sodass sich die Firmen nach neuen – digital getriebenen – Geschäftsfeldern umsehen. Viele UnternehmerInnen erleben zurzeit einen Generationenwechsel. Wir haben mehrere Projekte für Unternehmen, in denen die jüngere Generation sagt: Wir müssen etwas tun. Oder sie fragen uns: Digitalisierung – trifft mich das?

Und wen trifft es?

Ich denke, man kann inzwischen keine Branche mehr ausschließen. Neben den automatisierten Verfahren in der Fertigungsindustrie gibt es zum Beispiel in Brasilien auch digital gesteuerte Farmen, die mehr als 100 IT-MitarbeiterInnen beschäftigen. Es gibt auch traditionelle Handwerksbetriebe, die sich immer mehr für digitale Möglichkeiten von der Produktion bis zum Vertrieb interessieren.

Was bedeutet für Sie Industrie 4.0?

Für mich ist es die Digitalisierung eine Fortsetzung einer schon vor Jahren begonnen Entwicklung und meint die Anreicherung von Prozessen mit IT. Mich begeistern immer die UnternehmerInnen, die wissen, was sie tun, also ihr Geschäft von der Pieke auf gelernt haben, wie man so schön sagt. Dazu gehört in Zukunft auch, verstanden zu haben, was im IT-Bereich passiert – und so weit sind wir noch nicht.


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