Startseite | Impressum
Unternehmersicht: TEHA GROUP

08/03/17

„Wir pflegen inzwischen einen guten Umgang, respektieren uns“

Obwohl seit Jahren in einer Region aktiv, haben die Hochschule Merseburg und das Querfurter Unternehmen TEHA Group erst 2014 zueinander gefunden. Heute pflegen sie eine Kooperation auf Augenhöhe. Wie ist es dazu gekommen und warum erst jetzt?

Von der Hochschule Merseburg zum Firmensitz in Querfurt sind es 36 Kilometer. Keine Welt für Autofahrer wie den Geschäftsführenden Gesellschafter Jochen Conrad.

Herr Conrad, können Sie sich noch an den ersten Kontakt mit der Hochschule Merseburg erinnern?

Ja, die Geschichte habe ich schon ein paar Mal zum Besten gegeben. Vor drei Jahren waren wir in Halle bei Handwerkskammer zu einer Veranstaltung mit dem damaligen Wirtschaftsminister Herrn Möllring. Das Thema ging in die Richtung Wirtschaft trifft Wissenschaft. Dort liefen mir Vertreter der Hochschule Merseburg über den Weg. Wir haben ganz locker gesprochen und ich habe festgestellt, dass eine Hochschule so spricht, dass man sie versteht. Das war so persönlich, so direkt, auch von Seiten des Ministers, dass mir das einfach imponiert hat.


"Ich bin ein unruhiger Mensch", sagt Jochen Conrad von sich selbst. Bild: TEHA Group.
KAT Hochschule Merseburg TEHA Group Conrad

Eine der zwei großen Werkhallen der TEHA Group am Standort Querfurt. Bild: TEHA Group.
KAT Hochschule Merseburg TEHA Group Werkhalle
Sind Sie in der ganzen Zeit seit 1992 nie auf die Idee gekommen, direkt an die Hochschule heranzutreten?

Nein. Ich muss natürlich sagen, dass man in den ersten 10 bis 15 Jahren gar keine Zeit hatte für so etwas. Ich verstecke mich hinter dem Thema Zeit nicht gern, aber man hatte kein Auge dafür. Ich sage immer so schön, wir sind Tag und Nacht herumgefahren und haben Arbeit besorgt, damit wir uns entwickeln und die Marktwirtschaft kennenlernen. Ich war plötzlich nicht mehr Ingenieur, sondern Unternehmer, das heißt für Millionen und damals 46 Mitarbeiter verantwortlich und mit finanziellen Verpflichtungen also Krediten von 5 bis 8 Millionen. Da hat man keinen Kopf, links und rechts zu gucken.

Sie haben gesagt, dass Sie von dem ersten Treffen mit der Hochschule vor allem zwischenmenschlich überzeugt waren. Um welche Themen ging es denn?

Das Thema war – wie sie es auch in den Medien überall bringen – Fachpersonal auf allen Ebenen. Zwar bilden wir selbst 20 bis 25 Lehrlinge aus, übernehmen auch die Besten, machen auch die Weiterbildung zum Meister, pflegen Kontakte zu Schulen in der Region, Sportvereinen, um Mitarbeiter möglichst früh zu fördern, aber uns fehlten vor allem die Ingenieure. Die Firma ist gewachsen und für die neuen Projekte brauchten wir bestimmte Fach-Ingenieure, die es momentan auf dem Markt nicht gibt. Und so kam ich im Gespräch mit Herrn Weihmann und Herrn Zaha von der Hochschule auf das Thema Innovationsassistent. Mit dem Programm will das Land junge Ingenieure in Sachsen-Anhalt halten. Dank der Hochschule hat das sehr gut geklappt. Sie haben uns bei der Antragstellung geholfen und im Augenblick haben wir drei Innovationsassistenten bei uns beschäftigt. Es läuft alles gut. Und wenn die Förderung in zwei Jahren zu Ende ist, bin ich momentan auch überzeugt davon, dass es weitergeht.


Hatten Sie beim Thema Fördermittel bedenken?

Nein. Bei Förderungsmaßnahmen sind wir durch die Landesregierung die letzten Jahre sehr gut bedient worden. Ansonsten hätten wir vielleicht auch gar nicht so groß investieren können und wären heute vielleicht gar nicht so stark wie wir sind. Wenn die Belastung für eine Immobilie nur noch zwei Drittel statt drei Drittel bei drei bis vier Millionen beträgt, dann ist das schon eine erhebliche Größenordnung, die wir nicht gegen- oder rückfinanzieren müssen und man kann sagen: Wir bauen hier richtig groß aus und geben dann Gas in der Fertigung und das haben wir auch gemacht. 

Würden Sie sich mit neuen Herausforderungen auch wieder an die Hochschule wenden?

Das machen wir zu verschiedenen Fragen sogar schon. Wir sind im regelmäßigen Kontakt. Wir pflegen inzwischen einen guten Umgang, respektieren uns. Es ist eben doch ganz anders, wenn man sich schon mal in die Augen geguckt hat.

Spielt das Thema Digitalisierung für Sie auch eine Rolle?

Eigentlich ist das schon immer ein Thema gewesen. Wir haben unseren Maschinenpark immer weiterentwickelt, angefangen von der Magnetbohrmaschine bis jetzt aktuell zu einer Bohrsägeanlage der neusten Generation. Ob wir selbst fahrende Gabelstapler brauchen, weiß ich nicht. Wir investieren da, wo es unternehmerisch Sinn ergibt.