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Best Practice

06/19/18

Wer forscht, gewinnt: SONOTEC

Wachstum durch Innovation – darauf setzt das Hallenser Unternehmen SONOTEC Ultraschallsensorik Halle GmbH bis heute und hat weltweit Erfolg. Seit mehr als 25 Jahren bringen seine Gründer, zwei Physiker, ihre Kernkompetenz immer wieder in neuen Technologien zur Anwendung. Geholfen hat ihnen dabei auch die Vernetzung mit regionalen Hochschulen.

Die nicht-anvasive Flüssigkeitsüberwachung in der Medizin ist eines der neueren Felder, auf dem SONOTEC forscht und entwickelt. Bild: SONOTEC.
KAT Best Practice Hochschule Merseburg Sonotec Fluidik
Gestartet im Keller eines Altbaus

Die Geschäftsführer Hans-Joachim Münch und Dr. Santer zur Horst-Meyer empfangen ihre Gäste heute in einem mehrgeschossigen Gebäude in der Nauendorfer Straße von Halle (Saale). Als sie SONOTEC 1991 gründeten, mussten beengte Räume im Keller eines Altbaus reichen, wovon im Konferenzraum eine Bilderstrecke erzählt. Dr. Matthias Zaha vom KAT-Kompetenznetzwerk der Hochschule Merseburg und Hans-Joachim Münch kennen sich bereits seit vielen Jahren und begrüßen sich herzlich zu einem Gesprächstermin, der nicht leicht zu bekommen war. SONOTEC ist im Frühjahr auf vielen Messen vertreten, unter anderem in den USA, wo aktuell ein großer Teil des Umsatzes erwirtschaftet wird.

Ultraschallmesstechnik in der DDR

"Eine unserer ersten gemeinsamen Entwicklungen war ein Ultraschallmessgerät für Nasennebenhöhlen", erzählt Hans-Joachim Münch, der gemeinsam mit Dr. Santer zur Horst-Meyer an der Martin-Luther-Universität Physik studiert hat. In den 80er Jahren arbeiteten sie für ein Hallenser Unternehmen, das an der Entwicklung eines der ersten Sonografiegeräte für den gesamten Osten beteiligt war. Als es hier nach der Wende nicht weiterging, hoben sie 1991 SONOTEC aus der Taufe und nutzten eine der ersten Gründerförderungen, letztlich auch, "um die Markwirtschaft kennenzulernen". 

Alternative zum Röntgen

Noch zu DDR-Zeiten fragten Ärzte nach einer Alternative für das aufwendige Röntgen der kleinen Körperpartie rings um die Nasennebenhöhlen. Ein kleines Ultraschallgerät von Münch und zur Horst-Meyer erwies sich als einfache, diagnosesichere Methode, von der sie mehrere tausend produzierten und bundesweit verkauften. Erst ein neues Medizinproduktegesetz stoppte diesen Erfolg. Ohne es zu wollen, hatten sich zur Horst-Meyer und Münch mit mächtigen Firmen der Röntgentechnik angelegt, die sich letztlich durchsetzten. Zu dem Zeitpunkt verdiente das Hallenser Startup längst auch mit anderen Entwicklungen Geld.

Vom Standort Halle (Saale) gehen SONOTEC-Produkte inzwischen in alle Welt:
KAT Best Practice Hochschule Merseburg Sonotec Standort
Etwa zur zerstörungsfreien Prüfung großer Industrie-Anlagen (Bilder 2: SONOTEC).
KAT Best Practice Hochschule Merseburg Sonotec Zerstörungsfreie Prüfung
Technologie mit hohem Potenzial

Diese kurze Geschichte sagt einiges über SONOTEC aus. Es setzt auf eine Technologie mit hohem Potenzial: Nahezu überall, wo eine Analyse gefragt ist, ohne etwas aufzuschneiden, aufzubohren oder aufzubrechen, kann SONOTEC aktiv sein. Aber auch das zählt: Entwicklergeist mit dem Fokus auf bedarfsgerechte Innovationen, die Bereitschaft mit anderen zu kooperieren, Chancen zu nutzen sowie auch sich dem Markt anzupassen. Ihren Entwicklergeist verankerten Münch und zur Horst-Meyer mit einer eigenen FuE-Abteilung, die heute rund 30 Mitarbeiter*innen umfasst. 

Kooperieren für die Weltspitze

Zudem suchten sie früh, „meistens zuerst bei einer Tasse Kaffee“, den Kontakt zu Forschungseinrichtungen und Hochschulen der Region. Wo die Interessen übereinstimmten, ist man heute eng vernetzt. Projekte mit Wissenschaftler*innen in Anhalt, Magdeburg und Merseburg gehören zum täglichen Geschäft. Dabei knirscht es mitunter sehr wohl zwischen den Projektpartnern. Die einen sehen die Notwendigkeit, mit Produkten Geld zu verdienen, die anderen müssen wissenschaftliche Standards beachten. "Außerdem löst der deutsche Ingenieur ein Problem lieber allein", beschreibt Hans-Joachim Münch mentale Präferenzen: "Kooperieren will gelernt sein und braucht Zeit. Aber wenn man wie wir in der Weltspitze mitspielen will, braucht man die angewandte Forschung."

Chancen nutzen

Um Projekte auf sichere Beine zu stellen, nutzt SONOTEC die Hilfe der KAT-Ansprechpartner wie von Dr. Matthias Zaha an der Hochschule Merseburg. Sei es, um an den richtigen Kontakt zu kommen oder auch Projekte zu planen. Mit der Gründung des Forschungszentrums Ultraschall 2013 schuf das agile Unternehmen gemeinsam mit weiteren Mitstreitern eine zusätzliche Möglichkeit, um mit der Hochschule Merseburg und anderen Firmen aus der Region zu kooperieren.

Fester Bestandteil der industriellen Forschung: Förderungen von Bund und EU. "Eines der spannendsten Programme ist derzeit Horizon 2020, weil es eines der größten Probleme innovativer Unternehmen löst: nämlich Entwicklungen marktfähig zu machen", so Hans-Joachim Münch, der sich mit SONOTEC erfolgreich darum beworben hat.

Kennen und schätzen sich seit vielen Jahren: Hans-Joachim Münch (rechts), gemeinsam mit Dr. Santer zur Horst-Meyer (nicht im Bild) Geschäftsführer von SONOTEC, und Dr. Matthias Zaha (links), KAT-Ansprechpartner an der Hochschule Merseburg.
KAT Best Practice Hochschule Merseburg Sonotec H-J. Münch M. Zaha
Dem Markt anpassen

Umstrukturierungen gehören zur Firmengeschichte von SONOTEC, deren Wertschöpfung immer in Halle (Saale) bleiben sollte. Im Jahr 2000 legten Münch und zur Horst-Meyer den Grundstein für ihren heutigen internationalen Erfolg: Die breite Produktpalette macht SONOTEC weniger anfällig für einzelne Branchenkrisen. Doppelspitzen für Entwicklung und Vertrieb bilden die wesentlichen Erfolgsfaktoren Innovation und Kundennähe ab. Nach langem Überlegen passten sie die Firmenstruktur vor kurzem erneut an, um auf veränderte Marktbedingungen und neue Technologien zu reagieren inklusive Überlegungen zur Nachfolge. 

Begeisterungsfähig bleiben

Und die anhaltenden Erfolge scheinen den Gründern aus Halle (Saale) Recht zu geben: Auch eine ihrer neuesten Entwicklungen, das SONAPHONE, ein Gerät für den Instandhaltungsmarkt, verkauft sich gut und ist bereits ausgezeichnet: mit dem Landes-Innovationspreis "Hugo Junkers". Zum Schluss des Gesprächs dankt Hans-Joachim Münch Dr. Matthias Zaha noch einmal ausdrücklich für die Einladung zu der Veranstaltung "Wirtschaft trifft Wissenschaft", welche die KAT-Hochschulen Anfang des Jahres gemeinsam mit der IHK Halle-Dessau veranstaltet hatten. "Mir haben besonders die Formate gefallen, mit denen sich die Hochschulen präsentierten. Sehr ansprechend, sehr frisch", sagt Münch, der sich wie sein Partner zur Horst-Meyer bis heute eben auch eines bewahrt hat: begeisterungsfähig zu sein.