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Ja, ich forsche

12/05/17

Prof. Thomas Kleinschmidt: „Gäbe es die Möglichkeit zur Forschung nicht, wäre ich nicht hier“

Prof. Thomas Kleinschmidt leitet eine der aktivsten und erfolgreichsten Forschergruppen an Sachsen-Anhalts Hochschulen. Seit seiner Berufung 1993 hat er die Arbeitsgruppe Lebensmittelverfahrenstechnik und Lebensmittelprozesstechnik an der Hochschule Anhalt zu einem der wichtigsten Forschungspartner der Milchindustrie aufgebaut. Was treibt ihn an?

Herr Prof. Kleinschmidt, was motiviert Sie zu forschen?

Wenn die Fachhochschule eine reine Hochschule für Lehre gewesen wäre, wäre ich nicht an die Fachhochschule gegangen. Und ich wollte schon immer Forschung und Entwicklung mitmachen. Gäbe es die Möglichkeit zur Forschung nicht, wäre ich nicht mehr hier. Natürlich ist man im Vergleich zum Universitätsprofessor etwas gehandicapt, weil Sie fast jeden Tag Vorlesung haben und immer schauen müssen, wie Sie Lehrveranstaltungen und Forschung in Einklang bringen, um beispielsweise eine Konferenz zu besuchen.


Prof. Thomas Kleinschmidt im Technikum Lebensmitteltechnologie.
KAT Lebensmitteltechnik Köthen Prof. Kleinschmidt

ForscherInnen von (Fach-) Hochschulen haben im Normalfall keinen Personalstab, um Forschungsprojekte durchzuführen. Wie lösen Sie dieses Problem?

Von unserem 12-köpfigen Team sind bis auf eine Mitarbeiterin alle über Projekte angestellt. Befristungen sind immer problematisch. Das schlimmste, was Ihnen passieren kann, ist wenn ein Mitarbeiter nach drei Jahren wieder geht. Für gute Forschung brauchen Sie Leute, die Erfahrungsträger sind.

Die Liste Ihrer Projekte ist beachtlich. Führt jedes Projekt auch direkt zu einem Produkt?

Natürlich klappt nicht immer alles. Im Lebensmittelbereich ist es meistens so, dass unmittelbar nach Projektende nichts passiert, aber 1 – 2 – 3 Jahre später kommt dann die Umsetzung. Aber es gibt auch Projekte, wo die Umsetzung sofort da war, wie etwa bei den Milchphospholipiden. In Deutschland sind die Unternehmen generell vorsichtiger als in anderen Ländern, die Produkte zum Teil sehr viel schneller auf den Markt bringen und das Risiko einfach eingehen. Allerdings müssen deutsche Lebensmittelunternehmen auch genauer kalkulieren, ob sich eine Investition lohnt, da die Lebensmittelpreise hier sehr niedrig sind.

Welches sind die neuen Herausforderungen Ihres Fachs?

Letztlich geht es uns immer darum, Verfahren zu entwickeln, die auch für kleine und mittlere Betriebe umsetzbar sind. Eine neue, weitere Frage ist, wie man ökologisch hergestellte Milch haltbarer machen kann. Bio- und Heumilch hat ein anderes Spektrum der Fettsäuren. Zwar sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren ganz hervorragend für uns Verbraucher. Aber wenn Sie diese Produkte trocknen wollen, dann sind sie sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff. Das macht es sehr schwierig, diese über ein viertel oder halbes Jahr haltbar zu machen. Da überlegen wir jetzt auch: Was ist technisch machbar?

Gehen Sie mit solchen Ideen auf Unternehmen zu?

Meistens ist es umgekehrt: Wir haben gute Kontakte. Der Milchindustrieverband macht zweimal im Jahr Treffen. Es gibt einen wissenschaftlichen Beirat, der sich regelmäßig trifft. Man kennt sich eben durch die Jahre hindurch und bekommt auch direkte Anfragen.

Ist es in den vergangenen Jahren leichter oder schwerer geworden, Unternehmen für Forschungsprojekte zu gewinnen?

Mal so mal so. Wenn Sie einmal mit einem Unternehmen gut zusammengearbeitet haben, dann kann das auch eine langjährige Zusammenarbeit sein. Die großen Firmen sind bei Projekten immer dabei. Sie könnten es sich gar nicht leisten, etwas Neues zu übersehen. Schwerer sind die bürokratischen Hürden geworden. Antragstellung, Angebote für Verbrauchsmaterial usw.

Welchen (persönlichen) Tribut fordert Ihre Forschung?

Man investiert natürlich viel Zeit. Ich besitze seit Jahren einen Weinberg, um den ich mich leider nicht genügend kümmern kann.


KATalysiert

KATalysiert: Das KAT-Netzwerk unterstützt den Aufbau der Labore und Kompetenzschwerpunkte der Arbeitsgruppe Lebensmittelverfahrenstechnik und Lebensmittelprozesstechnik an der Hochschule Anhalt seit 2008.